Am Kanal

„Eine Kneipe ist ein kleines, einfaches, aber auch gemütliches Lokal, das man vor allem aufsucht, um dort etwas Alkoholisches zu trinken.“ So definiert es der Duden und trifft ins Schwarze. Der Eingang zur Kneipe „Am Kanal“ liegt an einer Ecke, gleich links der Zigarettenautomat und einige Spielautomaten, geradeaus die Bar und rechts der Gastraum. Alles ist mit Holz verkleidet, in dunklen Farben angemalt und große Wandgemälde bilden die Einrichtung. An der Bar sitzen ältere Männer mit einem Bier auf dem Tresen, und ihre Bäuche lassen erkennen, dass sie hier Stammgäste sind. Man kennt sich, kommt man rein, wird man beäugt, doch nach zwei, drei Worten gehört man dazu ‚Meiner‘. Das Bestechende „Am Kanal“ ist jedoch der Geruch, der eine Art Eigenleben hat, den man schon in weiter Entfernung wahrnehmen kann und der an der Kleidung haftend mit nach Hause kommt. Es ist eine Mischung aus Friteuse, Aschenbecher und Achselschweiß, gegen den man aber nach zehn Minuten drinnen immun ist. Eine Karte hat der Laden nicht, ebenso wenig wie eine Facebook-Seite, Instagram-Account, Yelp-Eintrag oder überhaupt Internet. Wozu auch? Alles steht mit Kreide geschrieben an einer Tafel. Es gibt Würzfleisch, Schweinesteak au four, kleinen und großen Salat, Chicken Wings, aber auch Tintenfischringe, alles meist mit Pommes und Salatbeilage. Ich nehme ein Würzfleisch, und weil ich Hunger habe, ein Steak au four gleich hinterher. Dazu logischerweise Bier, viel mehr gibt die Getränketafel auch nicht her, Bier, Schnaps, Wein, Alkoholfrei, ein paar Longdrinks - das war‘s. Das Komische „Am Kanal“ ist, dass der Laden unglaublich beliebt ist. Während ich 1,5 Stunden und drei Bier dazu Zeit habe drüber nachzudenken kommen und gehen mehrere Gruppen junger Leute im Hipsterformat - und das hier ist wohlgemerkt der dritte Versuch, diesen Laden zu testen. Sonst war er immer voll. Anscheinend ist das hier so eine Art Sehnsuchtsort nach der guten alten Zeit oder so. Nach der extrem langen Wartezeit wird schließlich das Essen gebracht: ‚Hier Meiner‘, murmelt der Kellner. Überraschenderweise ist das Essen akkurat angerichtet, der Salat mit frischen Kräutern bestreut, und alles macht einen guten Eindruck. Das Steak ist gut gewürzt, etwas pfeffrig vielleicht, die Pommes mit Schranke gut gesalzen und die Erbsen aus der Dose. Verwunderlich ist das viele Wasser auf dem Teller. Alles in allem besser als erwartet, aber keine Glanzleistung.

Küche: 3 von 5 Punkten
Ambiente: 2 von 5 Punkten
Bewertet im Geschmackverstärker Leipzig 2017


Am Kanal, Endersstraße 55, Leipzig, Tel. 0341 479 11 78

tägl. 6 bis 5 Uhr

Anfahrt:

Endersstraße 55
Lindenau
04177 Leipzig