Brunnenkresse - Exot und trotzdem heimisch

Erfuter Brunnenkresse (Foto: Mayte Müller)

Es ist überliefert, dass Kaiser Napoleon in der Nähe von Versailles Brunnenkresse anbauen ließ, um immer frischen Salat zu haben. Kennengelernt hatte er das gesunde Feingemüse allerdings in Thüringen – zu Zeiten der Schlacht bei Jena und Auerstedt. Im Jahr 1809 befahl er schließlich zwei Erfurter Gärtner nach Frankreich, wo das Kraut noch heute gedeiht.

In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt hatte sich einst der berühmte Gartenbaumeister und Begründer des Gartenbaus in Deutschland, Christian Reichart, mit dem professionellen Anbau von Brunnenkresse befasst, um den Ertrag der Wasserpflanze zu steigern. In seinem eigenen Gartenteich soll das Gemüse von selbst gewachsen sein. Das Kultursystem wird in Erfurt seit Mitte des 17. Jahrhunderts betrieben. Die vorzüglichen Eigenschaftendes Dreienbrunnen-Quellwassers machen das Gewürzkraut hier saftiger und milder als die wildwachsende Brunnenkresse, die überall in Deutschland zu finden ist.

In deutschen Küchen allerdings ist die Brunnenkresse mit den größeren, fleischigeren Blättern als die bekannteste Kresseart ein Exot. Doch das Würzkraut ist eine echte Delikatesse – es verfeinert jede Brühe, egal ob Fleisch- oder Gemüsebrühe. Die Brunnenkresse kann aber auch als leckere Salatbeilage geschnitten oder als Pesto mit Öl, Pinienkernen und Parmesan zubereitet werden.

Für das jodreiche Gemüse ist von September bis April Erntezeit. Falls Sie selbst ernten wollen, sollten Sie beachten, dass Sie nur fünf bis sieben Zentimeter lange Triebspitzen abschneiden, denn sonst können sich die Wasserpflanzen nicht mehr vermehren. Am besten eignen sich dafür ein scharfes Messer oder eine Sichel. Im Mai blüht die Brunnenkresse und wächst bis zu 50 Zentimeter aus dem Wasser heraus. Je näher man an die Blütezeit kommt, desto schärfer schmeckt das Kraut. Je kürzer die Tage werden, desto langsamer wächst das Gemüse. Handelt es sich um stehendes Gewässer, friert das Wasser ab Temperaturen unter 6 Grad ein und damit auch das Gemüse. Von Mai bis August ist pflanzliche Ruhephase. Die Kresse wird über Setzlinge vermehrt – die sollten spätestens im Juli gewonnen werden.

Die Brunnenkresse ist sehr reich an den Vitaminen (A, B1, B2, C und E) sowie an Jod, Eisen und Calcium. Sie enthält Gerb- und Bitterstoffe und Senföl. In der Volksheilkunde wird ihr eine blutreinigende, entwässernde, harntreibende und schleimlösende Wirkung zugeschrieben. Als Heilpflanze wird sie beispielsweise gegen Nieren- und Gelenkleiden sowie zur Entschlackung eingesetzt. Sie regt den Stoffwechsel und die Verdauung an. Ihre knackigen Blätter sind rund bis herzförmig, ihr Geschmack würzig und ähnlich scharf wie Rettich. Die Brunnenkresse ist sogar in der kreolischen Küche zu finden. So wird das Feingemüse zum Beispiel auch auf Mauritius als Salat gereicht.

 

PRODUKTIONSDENKMAL

Traditionell wird die Wasserpflanze in sogenannten Klingen kultiviert. In den flachen Gräben wächst die Brunnenkresse zwischen Holzstegen in fließendem mineralstoffreichem Quellwasser. In der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt kann man diese Produktionsdenkmale noch vereinzelt finden – im Dreienbrunnen-Gebiet im Südwesten der Stadt.

 

Rezept : Brunnenkresse-Pesto

Reichlich gewaschene Brunnenkresse samt Stiel zusammen mit einer Handvoll gerösteten Pinienkernen, etwas frischem Knoblauch, etwa 100 Gramm Parmesan oder vergleichbarem Hartkäse und gutem Olivenöl im Mixer zerkleinern, bis gewünschte Pesto-Konsistenz entsteht. Mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken. Fertig! Passt perfekt zu Pasta oder Fleischgerichten.

 

Rezept aus der „Gartenapotheke”: Brunnenkresse-Tee

1 Teelöffel frische Brunnenkresse klein hacken, in einen Teebecher geben, mit heißem Wasser aufgießen, fünf Minuten ziehen lassen. Fertig! Brunnenkresse-Tee ist ein heutzutage fast unbekanntes Mittel gegen Fieber.