Halles höchstes Restaurant - Genießen mit besten Aussichten.

In einem der beiden Turmzimmer kann man ein Drei-Gänge-Menü und eine wunderbare Aussicht zu zweit genießen. (Foto: Andre Kehrer)

"Man, du legst ein Tempo vor“, rohrspatzt mein Fotograf hinter mir her, als wir irgendwo zwischen Stufe 99 und 125 im Inneren des Hausmannsturmes angekommen sind, durch den üblicherweise die Besucher das Dach von Halle ersteigen. Wir sind gerade auf dem Weg zu Halles höchstgelegenem Restaurant, das sich in zirka 45 Metern Höhe in den Türmen der Marktkirche befindet. Während unser Puls proportional zur Höhe steigt, erreichen wir schließlich das erste der zwei Turmzimmer. Dort wartet Mario Rühs, seines Zeichens Koch im Szenecafé N8. Er ist der neue Hausherr der Hausmanntürme. In luftiger Höhe empfängt er seit kurzem immer zwei Gäste, denen das Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH es ermöglicht, in einem der beiden Turmzimmer ein 3-Gänge-Menü zu genießen.

„Kommt erst mal an,“ begrüßt uns Mario mit einem Schmunzeln auf den Lippen, da wir alle beide etwas aus der Puste sind.

Heute erwartet er zum fünften oder sechsten Mal zwei Personen, die sich dieses exklusive Dinner gönnen. Bevor das nächste Pärchen eintrifft, bekommen wir eine kleine Führung durch die beiden Turmzimmer, die früher vom Türmer und seiner Frau bewohnt wurden. Viel ist davon nicht mehr erkennbar, und vorstellbar ist es auch kaum. Die Zimmer sind vielleicht zehn Quadratmeter groß, und hier hat eine komplette Familie mit drei Kindern gewohnt, wie man auf einigen Fotos in der Ausstellung auf halber Höhe erkennen kann. Der einzige heute noch sichtbare Hinweis ist die Stange in der Mitte der Brücke, die die beiden Türme verbindet. An dieser, so erfahren wir, hatte der Türmer eine Schaukel für seine Kinder angebracht. Die gastronomische Gliederung im Jahr 2011 ist jedenfalls recht einfach – in einem Turm werden die Speisen bereitet und auf der anderen Seite wird diniert.

Die beiden Gäste erwartet an diesem Abend ein dreigängiges Menü, bestehend aus einer Vorsuppe, dazu gibt es mariniertes Schweinefilet auf Rucola mit einem Kräuter-Zitronen-Balsam und Röstitalern. Zum Nachtisch reicht man die Hausmannstürme-Spezial-Torte im Glas von der Naschmadame. Dazu gibt es exakt eine Flasche Wein und mehr nicht. „Wieso gibt es nur eine Flasche Wein?“, will ich wissen. Anstatt zu antworten, zeigt Mario auf einen großen Rucksack, mit dem er seine Ausrüstung die gut zweihundert Stufen hinaufträgt. „Beim ersten Mal musste ich fünf oder sechs Mal wieder hinunterlaufen, weil ich immer etwas vergessen habe.“, erzählt er. Herd, Besteck, Geschirr, Tischtuch, Servietten, Pfannen, Getränke, Gläser, Gewürze, eine Thermoskanne mit der Suppe, sicher noch viel mehr und nur eine Flasche Wein, mehr geht eben nicht in den großen Rucksack hinein.

„Das Joggen habe ich inzwischen aufgegeben.“, meint er später, so als würde mir die Frage auf die Stirn gebrannt stehen. Er hat seinen Work-out bei der Arbeit, da das Dinner inzwischen so beliebt ist, dass es zirka zweimal in der Woche stattfindet. Die Gäste am heutigen Abend begehen ihren Hochzeitstag, denn wie bei allen Anderen auch wird das Diner genutzt, um etwas Besonderes zu feiern. In der Zeit, in der wir fröhlich plaudern und den Ausblick genießen, hat Mario gemeinsam mit Daniela Nagel, der Leiterin des Tourismus und Tagungsservices der Stadtmarketing Halle (Saale) GmbH, die Küche aufgebaut. Während die Hochzeitstagsturteltäubchen in aller Ruhe ihre Vorsuppe genießen, erfährt der Hauptgang, außerhalb des Turmzimmers auf der windabseitigen Seite des Turmes auf dem Rundbalkon, seinen letzten Schliff. Wirklich über den Dächern der Stadt geht Mario Rühs seinem Handwerk nach.

Ob er sich das erträumt hatte, als er in der Heideklause das Kochen lernte? „Nein“, meint er und erzählt, dass das Besondere am Kochen in dieser Höhe vor allem die grandiose Aussicht sei und dass dies einen schon vom Thema ablenken könne. Damit nicht nur der Koch das Himmelsspektakel genießen kann, wird, wenn es das Wetter ermöglicht und die Gäste es wünschen, die Nachspeise auf der Brücke serviert. „Wobei wir höllisch aufpassen müssen, dass nicht etwas nach unten fliegt“, erklärt leicht schmunzelnd Daniela Nagel. Heimliche Vorfreude bereitet dem eingespielten Höhenkochteam die Vorweihnachtszeit. Es ist die erste von hoffentlich vielen Saisons für die beiden, in der sie, Speisen zubereitend, hoch oben den glänzenden Weihnachtsmarkt erleben können. An Ideen, was man dort oben alles servieren und machen kann, mangelt es den beiden jedenfalls nicht.

Die Buchung für ein Dinner erfolgt über das Stadtmarketing Halle. Alle Infos dazu bekommen Sie hier.