Soljanka gewinnt keinen Blumentopf!

Uwe Friedrich, Besitzer des Restaurants „Zur alten Scheune“, hat von Sternekoch Christian Rach einige Tipps bekomen. (Foto: Andre Kehrer)

Es passiert nicht häufig, dass man Prominente in Halle sieht. Aber im Frühsommer 2012 konnte man in Halle in der Stadt und in einigen Restaurants Christian Rach treffen. Herr Rach ist quasi der Chefkoch von RTL. In seinen Sendungen „Rach, der Restauranttester“ und „Rachs Restaurantschule“ dreht sich alles um die feine Küche und das gute Essen. Es dürfte sein nicht zu unterschätzender Einfl uss sein, dass die vielen Zuschauer seiner Sendung ein gutes Restaurant von einem weniger guten unterscheiden können. Für die neue Staffel „Rach, der Restauranttester“ (Ausstrahlung im Februar 2013) war der Sternekoch auch in Halle, genauer in der Umgebung von Halle, in Bennstedt, unterwegs. In seiner Sendung coacht Herr Rach in Not geratene Restaurantbesitzer und gibt ihnen Hilfestellungen, um ihr Geschäft erfolgreich weiterzuführen. Und genau wegen dieser Hilfestellung sandte der Besitzer des Restaurants „Zur alten Scheune“, Uwe Friedrich, einen Hilferuf an das Büro von Christian Rach, und so kam es, dass dieser in Halle für Angst und Schrecken bei halleschen Servicekräften sorgte (siehe Interview).

Besucht man die „alte Scheune“ vermutet man nicht, dass dieses Restaurant nicht läuft. Das Haus ist neu gemacht, drinnen herrscht das gemütliche Flair eines Landgasthofes, es gibt eine Bowlingbahn, einen Biergarten, und alles ist sauber und ordentlich. „Uwe hat vieles richtig gemacht“, gibt auch Herr Rach im Gespräch in der Scheune zu. „…deswegen muss hier auch nichts umgebaut werden wie bei anderen …“ klärt er auf. Die Probleme scheinen also tiefer zu liegen. „Die Geschäfte gingen eigentlich viele Jahre sehr gut“, erzählt Uwe Friedrich. Der gelernte Koch, Ausbildungsbetrieb war das heutige Dormero Hotel, ist bei Weitem kein Neuling im Geschäft. Bevor er die Landgasthof übernahm, betrieb er ein Restaurant in Halle. Mit seiner Frau zog er extra nach Bennstedt, um die Wirtschaft zu führen. „Die Probleme fi ngen an, als die große Baustelle den Verkehr auf der B100 blockierte.“ Dann kamen Probleme mit dem Personal dazu und zum Schluss auch noch die Trennung von seiner Frau, „die eigentlich die Idee hatte, Herrn Rach zu rufen“, erzählt Friedrich mit leiser Stimme, während er auf dem Sofa seines Restaurants sitzt. Der kräftige ehemalige Ringer ringt um seine Fassung, während er erzählt, was Herr Rach dann alles für ihn getan hat.

„Die vielen schönen Faktoren Biergarten, Restaurantraum und sogar die Bowlingbahn, die nicht wie im Charlottencenter nach Käsefüßen riecht, hat Uwe nie richtig zusammengeführt“, ist Rachs Analyse über die Situation von Herrn Friedrich. „Außerdem hat er immer nur gekocht, was man halt hier so kocht – und das reicht vermutlich nicht, weil das in der Gegend jeder macht. Und hier hat jeder alles gemacht. Der Lehrling war in der Küche, hat serviert, stand hinterm Tresen und hat dadurch alles, aber nichts richtig gelernt. Daher rühren lange Wartezeiten, Unfreundlichkeit, weil überfordert und und und…“, so der Profi weiter. „Wir müssen Veränderung demonstrieren, aber nicht um jeden Preis, deswegen müssen wir hier nicht ‚Schöner Wohnen‘ spielen. Aber wir müssen wegkommen von Soljanka & Co. Ich liebe eine Soljanka, wenn sie gut gemacht ist, und ich liebe auch Würzfleisch, aber wenn selbst der Grieche im Nachbardorf das anbietet, was soll das Ganze dann? Zumal, wenn es so gemacht ist, wie es alle machen.“ Erläutert der Sternekoch – voll in seinem Element und ist dabei genau so, wie er auch im Fernsehen rüberkommt. Ein Eindruck, den auch der in diesem Moment etwas bedrückt dreinschauende Uwe Friedrich später bestätigt.

„Deswegen haben wir vor allem viel gekocht, und Herr Rach hat auch sehr viel psychologische Arbeit geleistet“ berichtet Friedrich. Wer die Sendung von Rach kennt, weiß, dass bei ihm nur frisch gekocht wird. Deswegen wird oft die Karte der Restaurants kleiner, die Gerichte wechseln saisonal, und es schmeckt natürlich besser. So auch im Gasthof „Zur alten Scheune“. Das Traineeprogramm für Friedrich bestand aus Kochen, Kochen und nochmals Kochen. Dazu wurde die Karte entschlackt, und von Soljanka, Würzfleisch und Co überlebten nur einige, aber die natürlich in einer aufgepeppten und frischen Version, so wie sie Herr Rach auch liebt. Insgesamt bietet die Karte immer noch deftiges Essen, welches fein ist und schön angerichtet wird. Dazu gibt es noch Snacks und Burger für die Besucher der Bowlingbahn, die es Herrn Rach angetan hat.

Zum Konzept der Sendung gehört auch eine große Wiedereröffnungsfeier, wenn die Coachingzeit vorüber ist. Da die Räumlichkeiten des Restaurants auch für große Familienfeiern geeignet sind, kamen zu dieser über 100 Gäste (normalweise sind bei diesen Gelegenheiten 20 bis 40 Gäste zu Besuch), und obwohl diese Tatsache Herrn Rach nicht gefi el und alle am Rande ihrer Kräfte arbeiteten, war die Party ein Erfolg, wie Friedrich bei unserem zweiten Besuch erzählt. Nicht zuletzt durch die mediale Aufmerksamkeit und die Mund-zu-Mund-Propaganda steigen die Gästezahlen langsam wieder. Herr Friedrich kann sogar einen Koch einstellen, damit er Entlastung hat, damit ihn der Job nicht auffrisst. Unter strengster Geheimhaltung hat Herr Rach das Restaurant ein drittes Mal besucht und geschaut, wie seine Anregungen umgesetzt wurden. Das Ergebnis konnten dann die Zuschauer  von RTL im Februar 2013 sehen. Und auch wir waren unangekündigt und inkognito in der „Zur alten Scheune“ essen.