Regional ist das neue Bio

Foto: Heinrik Haase (Schwein) und Annamartha, Pixelio (Strauß)

„Gutes aus der Region“, „regionales Erzeugnis“, „regional“ - wohl jeder hat Schilder mit ebensolchen Hinweisen an den Produkten im Supermarkt schon einmal gesehen. Seit einigen Jahren werden diese immer mehr, denn die Händler haben mitbekommen, dass die Verbraucher gern Lebensmittel aus der Region kaufen. Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) vermeldete 2014, dass das Marktpotenzial regionaler Erzeugnisse deutlich schneller steige als das von Bio-Erzeugnissen. Eine Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney ergab, dass 70 Prozent aller Deutschen mehrmals im Monat regionale Lebensmittel kaufen. „Eier, Gemüse, Obst, Fleisch, Milchprodukte – lauten die Top-Five der im Umland erzeugten Waren“, so die Ergebnisse der Studie. Seit Februar 2014 gibt es das „Regionalfenster“, ein Siegel, welches bundesweit regionale Lebensmittel ausweisen soll. Wichtige Motive für die Wahl regionaler Waren sind die artgerechte Tierhaltung, die Vermeidung von Pflanzenschutzmittelrückständen sowie Frische, Qualität und die Unterstützung der Erzeuger vor Ort.

Doch wenn man abseits von großen Supermarktketten in Halle regionale Produkte wie etwa Fleisch kaufen möchte, ist das gar nicht so einfach. Denn in und um Halle gibt es nicht sehr viele Erzeuger, bei denen man Produkte kaufen kann, wenn man auf die oben genannten Motive Wert legt. Erster Ansprechpartner in Sachen Bio-Fleisch ist natürlich Hubert Hündorf. In seiner Biofleischerei bekommt man Ware von bester Qualität, und hier weiß man auch, woher das Fleisch kommt. Er achtet neben Frische und Bio-Qualität auch auf Herkunft sowie artgerechte Haltung. Als verantwortungsbewusster Verbraucher kann man bei ihm ohne schlechtes Gewissen einkaufen. Aber Herr Hündorf ist kein Erzeuger. Außerhalb von großen Schweinemastanlagen und Rinderställen schrumpft das Angebot deutlich. Doch es gibt Beispiele von Erzeugern, die den Trend erkannt haben und die auf Regionalität und Qualität setzen:

Da ist zum einen das Teutschenthaler Naturfleisch der Fleischmanufaktur Dietzel. Der in der Region bekannte Familienbetrieb begründete 2013 diese neue Marke. Das Konzept beinhaltet die enge Zusammenarbeit mit der Schweinemastanlage Woestmann in Teutschenthal. Hierbei wurden im Vorfeld genaue Vorgaben zur Haltung und Fütterung der Schweine gemeinsam entwickelt. Der Fleischmanufaktur Dietzel gehören ca. 3800 Schweine. Diese bekommen Futter, welches zu mehr als 50 % aus eigenem Anbau (Luzerne, Maisschrot, Erbsen, Bohnen) stammt, gentechnisch veränderte Futtermittel werden nicht eingesetzt. In der Mast wird vollständig auf den Einsatz von Antibiotika verzichtet. Die Tiere leben in kleinen Gruppen in ihren Ställen, haben Beschäftigungsmaterialien, und es wird gezielt darauf geachtet, dass die Tiere nicht unter Stress leiden. Sie haben so wesentlich mehr Platz als ihre Artgenossen in normalen Schweinemastanlagen. Außerdem haben die Ställe Tageslicht, die Raumtemperatur wird der Außentemperatur angepasst, so dass die Schweine einen natürlichen Lebensrhythmus haben. Dies alles führt dazu, dass die Schweine langsamer wachsen, natürlich länger leben, und das schmeckt man. Das Fleisch ist fettarm, wässert weniger aus, und wie Fans behaupten, schmeckt es besser als ‚normales‘ Schweinefleisch. Zusammengefasst: Die Tiere werden in Teutschenthal großgezogen, in Halberstadt geschlachtet und in Halle gegessen. Regionaler geht es kaum, und das gute und regionale Fleisch ist in allen Dietzel-Fachgeschäften und bald auch im Onlineshop erhältlich.

Wer es etwas exotischer, aber nicht weniger regional mag, kann sich an Straußenfleisch probieren. In Peißen gibt es den Straußenhof der Familie Scholz. Die auf dem Hof lebenden Strauße wachsen stressfrei auf großen Weiden auf, bekommen keine Futtermittelzusatzstoffe und können sich artgerecht bewegen. Jeder der möchte, kann sich die Tiere anschauen. Das alles kommt dem Fleisch zugute. Straußenfleisch hat einen Fettgehalt von ca. einem Prozent, ist kalorienarm und hat einen hohen Proteingehalt. Die Steaks, Rouladen, Würste, Knacker und anderen Produkte bekommt man im Hofladen und an den Verkaufsständen des Hühnerhofes Steudenin Halle-Neustadt und auf dem Hallenser Markt.

Fleisch von richtig großen Viechern findet man im nahen Markkleeberg. Dort gibt es die Buffalo Ranch der Familie Selka. Auf den Brachflächen ehemaliger Tagebaue fühlen sich die amerikanischen Riesen richtig wohl. Die Tiere stehen das ganze Jahr über auf der Weide, pflegen die Landschaft und haben ein langes Leben, bis sie geschlachtet werden. Die widerstandsfähigen Bisons werden ohne Hormone, Wachstumsstoffe, Antibiotika und Kraftfutter aufgezogen. So entsteht ein Fleisch der Spitzenklasse, geschmacklich irgendwo zwischen Rindfleisch und Wild. Kaufen kann man das frische Fleisch und die Wurstwaren im Hofladen der Familie in Neukieritzsch.

Genüsslich schottisch kann man hingegen in Könnern einkaufen. Dort gibt es einen Zuchtbetrieb für schottische Highland Cattle-Rinder. Diese leben auf Streuobstanlagen, Trockenrasen und extensivem Grünland, teilweise in Naturschutzgebieten inmitten des mitteldeutschen Schwarzerdegebietes im Saaletal zwischen Halle und Bernburg. Ihr Fleisch ist exzellent und kann gereift, portioniert und vakuumiert von einem EU-zertifizierten Schlachter im Hofladen bezogen werden.

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