Einmal Shoppingqueen sein - Teil I

(Foto: Christoph Kuka)

Seit nun mehr fast vier Jahren hat sich ein Name in den Köpfen der deutschen Frauen festgesetzt. Guido Maria Kretschmer. Am 30. Januar 2012 ging dieser mit seinem bis dato neuen Format „Shopping Queen“ auf Sendung und sorgt seitdem wöchentlich für einen Fashionhype in deutschen Wohnzimmern. Das Konzept ist einfach wie unterhaltsam – fünf Frauen kämpfen an fünf aufeinanderfolgenden Tagen um den Titel „Shopping Queen“. Um diesen zu erreichen, müssen sie in vier Stunden mit einem Budget von 500 Euro Stil und Modeverständnis entsprechend zum Wochenmotto beweisen und am Ende ihre Konkurrentinnen sowie Guido Maria Kretschmer von ihrem Outfit überzeugen. „Das können wir auch in Halle“, dachte sich die Redaktion des Geschmackverstärkers und schickte drei Redakteurinnen los, um jeweils drei Outfits zu kreieren. Die Suche in den Rubriken Mode Szene, Mode Edel und Designer war dabei von dem Oberbegriff „Liebe“ gekennzeichnet. Mit einem fiktiven Budget von jeweils 300, 600 und 1000 Euro sollten unsere „Shopping Queens“ die Hallesche Modewelt und deren Vielfalt erkunden und zeigen, dass sich Halle nicht hinter Städten wie Berlin, Köln oder Leipzig verstecken muss.

Die Verlobung - Einkleiden für 1000 Euro in den Designerläden in Halle

Wenn die Beziehung mit dem Liebsten oder der Liebsten gut läuft und sich mittlerweile ein Jahrestag nach dem anderen wie in einem Gutscheinheft angehäuft hat, denken viele Paare über den nächsten Schritt nach. Damit meine ich nicht zwangsläufig zusammenzuziehen, um einen offiziellen Grund dafür zu haben, seine persönlichen Gegenstände überall in der Wohnung zu verstreuen. Nein, ich spreche von DEM einen Schritt, der Welt zu zeigen, der oder die gehört zu mir: die Verlobung. Während der klassische Antrag meist eher still im Hintergrund abläuft,kann es zur öffentlichen Bekanntgabe schon etwas mehr sein. Im Kreis der Familie und der engsten Freunde wird nun aus dem „Ich und Er” oder „Ich und Sie” ein „Wir”. Und was könnte zu so einem Anlass wohl besser passen als ein exklusives Designer-Outfit? Mein Budget für ein vollständiges Verlobungs-Outfit betrug 1.000 Euro. „Da dürfte sich ja was Kleines finden lassen”, dachte ich mir und machte mich auf den Weg.

Meine erste Station war das Geschäft von Franka Skrabak. Die Absolventin der Burg Giebichenstein verkauft in ihrem Laden ihre eigenen Kollektionen, die komplett aus Bio-Stoffen sind und in Deutschland genäht werden. Jede Kollektion hat ein geografisches Thema. Marokko, Österreich oder auch Korea waren mit landestypischen Farben, Mustern und Stoffen Inspirationsquellen. Einige Kleider gefielen mir sehr, doch ich verließ den Laden, ohne etwas zu kaufen, um noch weitere Ideen in anderen Läden zu sammeln. In der Nähe ist das LoLaLü von Diana Lohmann. Sie ist spezialisiert auf ökologische Kindermode und Accessoires, die von ihr gefertigt werden. Auch wenn ich nichts für mich fand, lässt sich hier doch für die kleinen Besucher im Rahmen einer Verlobungsfeier das ein oder andere Kleidungsstück finden. Auf meinem Weg zur Ateliergemeinschaft Frauenzimmer machte ich mir genauere Gedanken über mein Outfit. Da ich ein Faible für Vintage und schlichte Kleidung habe, musste es ein Kleid sein. Wie es der Zufall so will, sollte ich in der Ateliergemeinschaft Frauenzimmer fündig werden. Inspiriert von modernen, aber auch klassischen Schnitten bieten Sabine Jäger, Susanne Wust, Katrin Busching und Christina Leberecht eine große Auswahl an Mode, Schmuck und Accessoires an. Die Frauenzimmer – zwei Damenmaßschneiderinnen, eine Designerin und eine Goldschmiedin – fertigen passgenaue Kleidung und Schmuck an, die sich sehen lassen können. Schnell waren einige Einzelstücke zum Anprobieren gefunden, die zwar nicht ganz meiner Größe entsprachen, aber dies sollte wohl kein Problem sein.


  • Redakteurin Yasmin-Coralie Berg präsentiert ihre Errungenschaften. (Foto: Christoph Kuka) Foto: Christoph Kuka
  • Halles Shoppingqueens. Yasmin-Coralie Berg, Marie-Theres Böttger und Madeleine Adler. (vl.n.r., Foto: Christoph Kuka)

Da ich meine Kleidung für diesen besonderen Anlass nicht allein dem Zufall überlassen wollte, nahm ich auch die Designerlabel Cugat ID und Hot Needle Production genauer unter die Lupe. Während im Atelier von Friederike Lattorff, der Inhaberin von Hot Needle Production, der Fokus auf Einzelstücke, inspiriert von klassischen Kostümen, gerichtet ist, liegt der Schwerpunkt im Studio von Laura Cugat Schochs Cugat ID neben einer Farb-, Stil- und Typberatung auf maßgefertigten Tanz- und Festmoden. Noch immer den Gedanken eines Vintage-artigen Kleides im Hinterkopf, entschloss ich mich zur Ateliergemeinschaft Frauenzimmer zurückzukehren, wo man mir anbot, ein Kleid meiner Wahl in meiner Größe anzufertigen. Und welche Frau kann da schon nein sagen?

Welche Frau kann da schon nein sagen?

Jetzt fehlten nur noch Accessoires, die ich ebenso im Atelier fand. Zu einer schlichten Clutch in Grau- und Blautönen sprangen mir der kristallblaue Topas-Ring aus Silber und Gold und die dazugehörigen Ohrringe mit Süßwasserperlen ins Auge. Ein schlichter funkelnder Ring? Ein Traum! Perlen zum Kleid? Perfekt! Vielleicht noch eine Kette? Ich könnte ja mal bei Polka Dots vorbeischauen. Gesagt, getan. Im Laden von Annekatrin Arndt und Cornelia Zausch erwartete mich ein umfangreiches Angebot an Ketten und Ohrringen aus Edelsteinen und anderen Naturmaterialien. Da das Kleid jedoch im Vordergrund stehen sollte und eine Kette im Blütenmeer des Stoffes versinken würde, verzichtete ich auf weiteren Schmuck und setzte meine ganze Hoffnung auf das letzte Detail, die Schuhe.

Schuhkauf ist entgegen aller Klischees mit mir nicht einfach. Zu klein, zu groß, zu hoch, zu niedrig. Nur eines war mir jedoch schon klar: Hoch sollten sie sein und elegant. Wer Beine zeigt, der kann diese auch betonen, und was eignet sich dazu besser als Pumps? Bei Shoes and the City hatte ich gleich mehrere Modelle im Auge und konnte mich nicht entscheiden. Eher gräulich, rosa oder nude? Das Rennen machte schließlich ein Paar hellgraue Lederpumps von der Marke Unisa, die – als wäre es ein Zeichen gewesen – farblich perfekt zu meiner Clutch und dem Schmuck passten und das Ensemble abrundeten. Ob noch etwas fehlte? Eine Designerin stand ebenso auf meiner Liste: Romy Kraft. Sie ist bekannt für ihre Herren- und Damengamaschen, die jedes Schuhwerk dank ihres ausgefallenen Designs zu einem Blickfang machen. Aber auch Hosen, Kleider und Blusen hat die Designerin im Angebot. Ich dachte noch einmal an mein Outfit, das beige Kleid mit dem Blütenmuster, den funkelnden Schmuck, die handgenähte Clutch sowie die hellgrauen Pumps und entschloss mich, getreu dem Motto „weniger ist mehr” auf eine weitere Ausstattung zu verzichten. Geschafft! Es war vollbracht. Ich hatte das für mich perfekte Verlobungsoutfit gefunden. Ob das wohl auch Guido Maria Kretschmer so sehen würde? Wir werden es wohl nie erfahren …