Die Ehren-Kommissarin

(Foto: Nico Schmid Burgk)

Die Schauspielerin Maria Ketikidou ist die Tochter griechischer Einwanderer, die Ende der 1960er Jahre nach Deutschland kamen, und wuchs in Itzehoe in Schleswig-Holstein auf. Zum Film kam sie dadurch, dass sie sich als 15-Jährige ohne jede Vorkenntnisse auf einen Aufruf im Radio für eine Rolle bewarb. Prompt bekam sie die weibliche Hauptrolle der Rocksängerin Lisa in dem Ruhrgebietsfilm „Die Heartbreakers“ (1982) von Peter F. Bringmann über jugendliche Beat-Bands der 1960er Jahren. Der Film erhielt den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Bester Nachwuchsfilm und den Deutschen Filmpreis in Silber. Danach folgten Hauptrollen in Fernsehfilmen wie „Alles Paletti“ (1985), „Das Traumauto“ (1987) und „Aufs Ganze“ (1988) sowie Gastrollen in Fernsehserien wie „Adelheid und ihre Mörder“ oder „Peter Strohm“. Auch in dem Kurzfilm „Nachtfahrer“ (1985) von Sönke Wortmann spielte sie mit. Geschmackverstärker-Redakteur Martin Große traf Frau Ketikidou auf ein Interview. 

Frau Ketikidou, Sie kamen zum Fernsehen über einen Aufruf im Radio. Wie ging es nach dem ersten Film weiter?

Ich war damals 15 Jahre alt und noch Schülerin. In den Sommerferien wurde gedreht und für einige Tage habe ich frei bekommen. Die Postproduktionspause des Filmes dauerte ein Jahr und dann bekam ich jede Menge Aufmerksamkeit. Ich gab viele Interviews und dachte damals, dass das Ganze ein kleiner Ausflug ist. Ich musste erst meine Schule beenden und das Abitur machen. Nach der Schule habe ich viele Angebote für Fernsehrollen bekommen. Ich wollte aber ursprünglich in die journalistische Richtung gehen. Also habe ich in Hamburg begonnen Anglistik und Germanistik zu studieren. Durch die vielen Gastrollen, wie etwa bei ‚Peter Strohm‘, habe ich mein Studium finanziert. Schließlich bekam ich zu Beginn der Neunziger Jahre die Rolle der Katharina in der ARD-Serie ‚Sterne des Südens‘. Dies war eine Auslandserie über das wechselhafte Leben einiger Club-Animateure. Da haben wir im Senegal und in Griechenland gedreht. Danach kam schon das Casting für das ‚Großstadtrevier‘.

Kam irgendwann der Punkt, an dem Sie sagten: Ok, jetzt werde ich Schauspielerin…

Nein, den gab es nicht. Es war alles ein fließender Prozess, quasi ‚Learning bei doing‘. Auch das Schauspielen habe ich so erlernt. Beim Großstadtrevier bin ich manchmal an meine Grenzen gestoßen. Damit ging es mir nicht gut und ich versuchte das fehlende Handwerk zu lernen. In einer langen Winterdrehpause schrieb ich mich von Dezember bis April in Amerika am ‚The Lee Strasberg Theatre Institute‘ ein. Allerdings konnten die mir zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr viel beibringen, so dass ich schnell wieder zurückkehrte.

Kam irgendwann der Punkt, wo Sie alles hinschmeißen wollten?

Nein, den hatte ich bisher auch nicht. Aber man muss schon sagen, dass die Schauspielerei einen auffressen kann. Das Geschäft ist ein Haifischbecken. Ich hatte dabei das Glück sehr lange relativ behütet dadurch zu kommen. Ich war jeweils lange und ausdauernd bei einer Geschichte geblieben. Es war gut, immer mit denselben Leuten zu arbeiten und diese kennenzulernen. Ich musste mich also nie aus einer Serie rausschreiben lassen.

Nach kurzer Zeit waren Sie ein beliebter Star in einer beliebten Serie? Ist man dann nicht Schauspielolymp angekommen?

Ich finde, man ist nie angekommen. Ich bin vor allen Dingen ein Perfektionist und der größte Kritiker meiner selbst. Das ist ein steter Kampf in mir und man braucht eine große Portion Selbstbewusstsein. Man lernt die ganze Zeit und man kann nur so gut wie sein, wie sein Gegenüber.

Was ist das für ein Gefühl, jahrelang ein Doppelleben zu führen?

Ich empfinde diese doppelte Ebene als sehr bereichernd. Manchmal verschwimmen die Grenzen, aber auch wenn man jahrelang eine Polizistin spielt, ist man noch lange keine. Man fühlt sich manchmal so und manchmal geht da vielleicht mein Gerechtigkeitssinn mit mir durch, aber mehr auch nicht. Aber das Schöne ist, dass man beides hat und viel sieht. In meinem Beruf lernt man viele Leute kennen. Das ist ein schöne Sache, die das Leben liebenswert macht. Ich habe so viele schöne Erfahrungen machen können.

Hatten Sie schon einmal ein Film/ Realitäts-Dé­jà-vu?

Das geschah anders herum. Dadurch, dass die Autoren der Serie bemüht sind, möglichst reale Geschichten zu erzählen. Das ist manchmal sehr nah an der Realität und man spielt Momente und Geschichten, die Menschen tatsächlich widerfahren sind oder die man selber kennt.

In einem Interview erzählten Sie, dass viele der Komparsen echte Polizisten sind. Wurden Sie schon einmal von den „Kollegen“ kontrolliert oder ähnliches?

Nein, das ist noch nicht passiert. Aber gut, dass sie das erwähnen. Die echten Kollegen sind enorm wichtig. Sie stehen immer mit Rat und Tat bei Seite. Außerdem bin ich früher oft mit ihnen Streife gefahren, war mit beim Schießunterricht und habe mir im Polizeipräsidium alles angeschaut. Das war schon sehr lehrreich. Ich konnte viel für meine Arbeit lernen.

Machen Sie noch etwas anderes als Schauspielerei?

(Überlegt) Naja, da hat jeder so seine Methode. Wobei ich jetzt nichts Spezifisches mache. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden. Ich mache ein bisschen Sport oder gehe gerne in Konzerte. Am liebsten fahre ich in den Arbeitspausen aber in den Urlaub.

Eine Staffel „Großstadtrevier“ wird in 150 Drehtagen gedreht – wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Lernen der Texte?

Das Meiste hat natürlich das Team hinter der Kamera zu tun. Deswegen verteilt sich das auch mit dem Lernen der Texte. Aber ich habe da auch keine bestimmte Technik. An den freien Tagen muss ich halt immer wieder hineinschauen, um die Texte zu können. Kaum ist die eine Szene abgedreht, folgt die nächste, aber das ist ganz normale Schauspielarbeit.

Zum Thema Essen. In einem Interview sagten Sie, dass sie zu Hause viele Rezepte ausprobieren. Was sind das für Rezepte?

Ich habe viele Kochbücher zu Hause und da probiere ich eben viele aus. Aber Bestimmtes ist das jetzt nicht. Wenn ich daheim bin, mache ich mir auch wirklich oft und gerne eine einfache Brotstulle.

Ihre Eltern sind Griechen, was wurde denn zu Hause gekocht?

Da waren wir sehr international. Wir aßen oft Rinderrouladen. Ich erinnere mich an viele Sonntagsbraten und auch die Bohnensuppe, die meine Mutter oft gemacht hat. Die war auch selber so ein Rezeptfan.

Was ist Ihr typisch deutsches oder griechisches Leibgericht?

Ich esse halt gerne. Wie etwa den Nudelauflauf meiner Mutter. In letzter Zeit habe ich viel japanisches Sushi gegessen oder sehr gerne die vietnamesische Vohsuppe. Griechisch esse ich alles gerne, was meine Oma immer kochte. Als wir früher in Griechenland zu Besuch waren, gab es immer Eigelb im Glas. Also ein Eigelb mit Zucker und dass dann geschlagen. Das war meine absolute Leibspeise. Ebenso gern esse ich momentan Ceviche. Das kommt ursprünglich aus Peru. Dabei wird roher Fisch in Limettensaft mariniert. Durch die Zitrone ist das dann ähnlich wie kochen, weil der Fisch in der Zitrone gärt. Das schmeckt vorzüglich in einem Salat im Sommer.

Frau Ketikidou, vielen Dank für das Gespräch.