Gute Trends bleiben - Starköchin Cornelia Poletto im Interview

Die Starköchin Cornelia Poletto. (Foto: Pressefoto Agentur)

Cornelia Poletto, Jahrgang 1971, ist Köchin, Autorin und Restaurantbesitzerin. Viele kennen sie aus „Polettos Kochschule“ (ARD/NDR), „Lanz kocht!“ (ZDF) und der „Küchenschlacht“ (ZDF). Geschmackverstärkerredakteur Martin Große sprach mit der Sterneköchin über den Kochberuf und mehr …

Wie entstand Ihr Berufswunsch, Köchin zu werden?

Cornelia Poletto: „Ich habe schon als Jugendliche gerne in der Küche gestanden und mit Leidenschaft Torten und Kuchen für meine Freunde und Familie gebacken. Der Weg zum Kochen war dann nicht mehr weit.“Koch ist nach wie vor eine Männerdomäne.

Welche Tipps haben Sie für junge Frauen, die diesen Beruf ergreifen wollen?

„Durchhalten! Und sich ein dickes Fell anschaffen. Der Umgangston in Küchen ist eher rau. Wer zart besaitet und nicht in der Lage ist, schroffe Sprüche mit Humor zu ertragen oder auch mal Contra zu geben, ist falsch.“

Zumindest in Halle suchen viele Restaurants händeringend nach Köchen. Was könnte helfen, den Beruf attraktiver zu machen?

„Es ist und bleibt ein schwieriges Thema. Die Arbeitszeiten in der Gastronomie sind mit dem Privatleben schwer zu vereinbaren. Ich selbst habe in meinem Restaurant deswegen einen Früh- und Spätdienst eingeführt, so dass meine Mitarbeiter besser planen können. Solche Maßnahmen, die Köche bei Laune halten, gibt es zu wenig.“

Gab es schon einmal einen Punkt, an dem Sie daran dachten, die Kochmütze an den Nagel zu hängen und einen anderen Beruf zu ergreifen?

„Nicht wirklich. Während meiner Ausbildung war ich bestimmt mal an dem Punkt, an dem ich so müde war, dass ich mich gefragt habe, warum ich mir das eigentlich antue. Aber wie sagt man so schön: In Leidenschaft’ steckt auch das Wort ‚leiden’. An Begeisterung hat es mir nie gefehlt.“ Inzwischen ist es fast schon „normal“, als Spitzenkoch Bücher herauszugeben oder eine eigene Fernsehshow zu haben.

Wie begann Ihre Karriere in den Medien?

„Ich hatte nie darüber nachgedacht oder gar geplant, einen Weg in den Medien einzuschlagen. Das hat sich einfach so ergeben. Angefangen mit regionaler Berichterstattung über mein damaliges Sternerestaurant über kleinere Gastauftritte beim NDR-Fernsehen bis zur eigenen Sendung ,Polettos Kochschule’ oder meiner Juroren-Tätigkeit bei verschiedenen Kochshows wie zurzeit den ,Topfgeldjägern’.“

Der Büchermarkt ist voll mit Kochbüchern zu beinahe jedem Thema. Wie finden Sie Ihre Anregungen für die Themen Ihrer Bücher?

„Bei meinen letzten Büchern ist das relativ einfach gewesen, denn es waren alles sendungsbegleitende Bücher. Grundsätzlich könnte ich aber kein Kochbuch schreiben, wenn mich der Themenschwerpunkt nicht selbst beschäftigen würde oder keinen aktuellen Bezug zu mir hätte.“

Über welches Thema würden Sie, so es eines gibt, gern in einem zukünftigen Buch schreiben?

„Ich habe schon eine Idee, möchte aber nicht zu viel verraten. Nur so viel: gesunde Genussküche wird eine große Rolle spielen.“

Wie sieht Ihr Engagement für das Altonaer Kinderkrankenhaus aus?

„Ich bin seit acht Jahren Schirmherrin des Altonaer Kinderkrankenhauses und engagiere mich auf ganz unterschiedliche Weise. Zum Beispiel mit Kochkursen für die kleinen Patienten, öffentlichen Auftritten oder Unterstützung durch Charity-Gelder.“

Welchen Fehler würden Sie in einem italienischen Restaurant verzeihen und welchen nicht?

„Das Verarbeiten von alten Lebensmitteln oder verkochte Pasta verzeihe ich nicht. Wenn mal was vergessen wird, sehe ich das nicht so eng und frage höflich nach.“

Durch Ihre mediale Präsenz kennen Sie viele Menschen. Können Sie noch ungestört essen gehen oder bekommen Sie eine „Sonderbehandlung“, weil man sich vor so einem prominenten Gast nicht blamieren möchte?

„Eine gewisse Sonderbehandlung widerfährt mir schon recht oft, muss ich zugeben. Das ist eigentlich immer total nett, kann aber auch manchmal etwas anstrengend sein – zum Beispiel, wenn man drei Gänge bekommt, die man gar nicht bestellt hat.“ (lacht)

Auch die moderne Kochwelt unterliegt Trends. Sei es Fusionsküche, Crossover-Küche, vegane Küche oder die Losung: Back tot he roots sind nur einige Schlagworte. Welche Entwicklung halten Sie für sinnvoll?

„Jede Entwicklung ist sinnvoll, denn sie zwingt uns dazu, nachzudenken. Wenn ein Trend gut ist, bleibt er. Ist er es nicht, ist er ganz schnell wieder vergessen. Und wir lernen trotzdem immer etwas dazu.“

Frau Poletto, vielen Dank für das Gespräch.

 

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