Nähen, Stricken, Häckeln – Alte Handwerke werden zum Trend

Foto: Nähzimmer (Promo)

Wer viel Zug fährt, wird diesen Anblick wohl schon seit Längerem kennen: die Studentin gegenüber oder der Mittdreißiger zwei Plätze weiter hinten vertreiben sich die Zeit mit Stricken. Kleidung selber nähen oder stricken ist ein immer populärer werdender Trend – auch in Halle. In kleinen Läden oder Ateliers mit illustren Namen wie „Paule und Paulinja“, „Patch & Work“, „Nähcafé“, „Fadenliebe“ oder „Nähzimmer“ tummeln sich junge Mütter, Senioren und Seniorinnen, Kinder oder auch hippe Studierende und schneidern, was das Zeug hält.

Eine kleine Tour durch Halles Näh- und Strickläden lüftet das Geheimnis um die Popularität des alten Handwerks. Janine Jonneg und Christiane Angelus bieten seit 2004 in ihrem „Nähcafé“ Näh- und Siebdruckkurse sowie Nähmaschinenplätze für Kurse oder individuelle Arbeiten an. Sie erzählen, dass aus dem Bewusstsein dafür, unter welchen Bedingungen Textilien oft hergestellt werden, das Bedürfnis wächst, Sachen selber zu machen. „Sich Sachen selber herzustellen, ist natürlich auch eine Art der Selbstverwirklichung und löst Zufriedenheit aus, die das Konsumbedürfnis einschränkt“, ergänzt Jonneg. Renata Marozaite-Henze wiederum verweist auf das Bedürfnis, etwas Individuelles haben zu wollen. Die Betreiberin von „Paule und Pau- linja“ bietet Nähkurse und Nähpartys, zu denen Frauen aller Altersklassen kommen. Cordelia Minuth vom „Nähzimmer“ wiederum stellt das Gesellige des Schneiderns heraus. „Das Schneidern und das Nähen verbindet. Und gerade in einer Zeit, da alle mehr oder weniger allein durchs Leben gehen, ist es ein Hobby, das gesellig ist und Menschen zusammenbringt.“

So verschieden die Motivationen sind, so unterschiedlich die Angebote der vielen Läden in Halle. So kann man bei Claudia Rothe zum Beispiel bei Kaffee oder Tee stricken, häkeln oder sogar spinnen. Events wie der Mamatreff oder auch die Stricknacht stellen das Miteinander in den Mittelpunkt. Im „Nähzimmer“ und bei „Paule und Paulinja“ geht es neben dem geselligen Beisammensein hauptsächlich um das Nähen und Nähenlernen. In verschiedenen Kursen und Workshops lernt man das Nähen an der Nähmaschine und kann die verschiedensten Sachen wie Loopschals, Handytaschen oder auch Kleider anfertigen. Die Stoffe dafür bekommt man natürlich auch im Laden. Umweltbewusste Individualisten, die ihre Klamotten einem „upcycling“ unterziehen wollen, finden dagegen im „Nähcafé“ und den dort mietbaren Nähmaschinenplätzen ihr Paradies. Hier können sie aus alten Klamotten neue Kostbarkeiten anfertigen.

In der Frage, was man eigentlich mitbringen muss, um das Näh- und Strickhandwerk zu lernen, sind sich alle Schneiderinnen übrigens einig: außer dem Interesse und der Freude, sich eine eigene Klamotte herzustellen, braucht es nichts – jeder kann es lernen.

So finden Sie die Nähläden in Halle: