Schlank ohne Sport - Autorin Katharina Bachmann im Interview

Autorin Katharina Brachmann (©Jim Liaw)

Kann man schlank werden ohne zu hungern, ohne Diät und ohne Sport? Was klingt wie die Quadratur des Kreises, kann mit einer Ernährungsumstellung gelingen. Geschmackverstärker-Redakteur Martin Große sprach mit der Autorin Katharina Brachmann über ihr Buch „SOS – schlank ohne Sport“. Mit der von ihr empfohlenen Ernährungsumstellung soll nämlich genau das gelingen.

Frau Bachmann, Ihr Repertoire als Schriftstellerin ist umfangreich. Sie schreiben Science Fiction (Zeitzug), Krimis (Times New Roman), Liebesromane (Kamelreiterin) oder Reiseromane (Nix wie weg). Wie finden Sie Ihre Themen?

Ich lasse mich tatsächlich von meiner Umgebung inspirieren. Die Idee zu meinem ersten Roman „Der Zeitzug“ entstand, nachdem ich in einem ICE eingeschlafen bin und als ich am Erwachen war, überlegte ich folgendes: Was wäre, wenn ich nach Hause komme und meine Kinder schon groß sind, wenn mein Mann mit jemand anderen zusammen ist, weil viele Jahre vergangen sind und ich im Zug eine Zeitreise gemacht habe… 

Und  in „Deadline“ geht es um einen begabten jungen Mann, der den Todeszeitpunkt eines jeden Menschen ausrechnen kann. Nachdem ein Bekannter von mir früh verstarb, ließ mich dieser Gedanke nicht wieder los und endete in dem Roman. Also die Ereignisse prasseln auf mich ein und ich verarbeite sie.

Dann hatten Sie das Erlebnis mit Doktor K.S. und schrieben darüber ein Buch?

Als mir Doktor K.S. mitteilte, dass ich keine Diabetikerin mehr bin und dass ich keine Tabletten mehr nehmen muss, war ich zunächst sprachlos. Jeder Diabetiker weiß, was Diabetis für das alltägliche Leben bedeutet. Ich habe es gehasst. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt 15 Kilo abgenommen und fühlte mich unglaublich wohl, dass ich zwei Tage, nachdem ich keine Diabetikerin mehr war, mich entschloss, das Buch zu schreiben.

Wie schwer war es, einen Verlag davon zu überzeugen, ein Diätbuch zu machen?

Es war nicht schwer, meinen Verlag von dem Projekt zu überzeugen, weil es sich eben nicht um ein Diätbuch handelt. SOS ist keine Diät, sondern eine Ernährungsumstellung. Man muss bei SOS auf so gut wie nichts verzichten. Man darf lediglich keine Kuhmilch, kein heißes Olivenöl und keinen weißen Zucker zu sich nehmen. Selbst in der ersten Phase, der Entgiftung, ist Kaffee und sogar mal ein Gläschen Wein erlaubt. Meine Agentin hatte noch nie so schnell einen Vertrag.

Mit ihrem Buch „SOS schlank ohne Sport“ sind sie von Fiktion zu Ratgeberliteratur gewechselt. Spürten Sie während des Schreibens Druck, denn schließlich machen die Leser nach, was sie schreiben?

„SOS Schlank ohne Sport“ ist ein Buch aus dem Leben. Meine anderen Romane sind teilweise recht wissenschaftlich und während ich schreibe, bekomme ich Gänsehaut, wenn ich über die Handlung nachdenke oder eine Idee habe. So war es diesmal nicht, denn ich erzähle, was mir widerfahren ist, welche Erfahrungen ich gemacht und welche Hinweise ich bekommen habe. Die Gänsehaut bekomme ich jetzt, wenn ich die vielen E-Mails meiner Leser lese. Die Menschen schreiben mir ihre Erfahrungen. Auf einer Lesung erzählte eine magenkranke Frau unter Tränen, wie gut es ihr auf Grund von SOS jetzt geht. Das sind die Gänsehautmomente bei diesem Buch.

Haben Sie sich schulmedizinischen Rat geholt oder ihre Empfehlungen gegenchecken lassen?

Nein, denn Doktor K.S. ist Arzt, also Schulmediziner. Ich habe mir von ihm die Sachen erklären lassen und solange hinterfragt, bis ich es verstanden habe. Inzwischen gibt es aber Ärzte, die SOS empfehlen und in der Facebookgruppe gibt es Ärzte, die verschiedene Sachen erklären.

Andere machen das nach, was sie vormachen. Hatten Sie Angst, dass sich Ihr Buch als Humbug herausstellt, also dass sich die beschriebenen Effekte nur bei Ihnen einstellen und bei anderen klappt es nicht? 

Das ist interessant, dass Sie diese Frage stellen. Ich habe das Buch ziemlich schnell geschrieben und habe trotzdem währenddessen in meinem Bekanntenkreis und bei meinen Freundinnen herumgefragt und alle gebeten, es auszuprobieren und mir ein ehrliches Feedback zu geben. Denn ich habe ja einfach nur erzählt. Als es dann bei denen klappte, war ich enorm erleichtert, denn mir war wichtig, dass es funktionierte. Und jetzt kommt enorm viel Feedback. Es gibt sogar ein Krankenhaus, in dem SOS in einer Patientengruppe angewandt wird, das freut mich natürlich besonders.

Instyle, Die Welt, Bild oder auch die Hufflington Post berichteten über SOS. Sie haben einen Blog und einen Youtubekanal. Ist das Buch ein Selbstläufer?

Es hat mich schon beeindruckt, wie sehr das Buch eingeschlagen hat und wie schnell zum Beispiel die Facebookgruppe gewachsen ist. Diese haben wir eingerichtet, um Fragen zu beantworten. Das hat sich rasant entwickelt, was auch beabsichtigt war – aber das es soooo groß wird, konnte keiner ahnen. Der Youtubekanal fängt jetzt gerade an und ich freue mich sehr darauf. Viele Teilnehmer hatten wir auch bei unserem Gewinnspiel ,Deutschland speckt ab‘ . Das sind 350.000 Kilo zusammengekommen, die die Leute abgenommen haben. Wir waren so überwältigt, dass wir nun eine neue Aktion gestartet haben.

Ein Zurück zum alten Leben gibt es nun aber nicht mehr?

Nein, aber das will ich auch nicht mehr. Die vielen Erfahrungen sind so überwältigend schön, das ist jetzt ein großer Teil meines Lebens.

Sind die Rezepte europäisiert? Entwickeln Sie die selber. Sammeln Sie Rezepte, die passend sind?

Ja, das sind sie. Das Beef Rendang ist ein malaysisches Rezept, welches meistens in der Familie zubereitet wird. Es ist sehr scharf und wird lange Zeit eingeköchelt. Das musste umgewandelt werden, damit es nicht so scharf ist. Bis auf einige Gewürze sind viele Rezepte auch nicht wirklich exotisch. Einige enthalten Kurkuma, aber das kannte auch meine Oma! Einige Rezepte wie das Chiabrot habe ich mit meinem Mann entwickelt. Da haben wir lange gebraucht, um die richtige Teigmischung zu finden. Wir haben das gemacht, weil es im Ausland oft nur Weißbrot gibt, also wollten wir selber ein gut schmeckendes dunkles Brot backen. Wir haben dafür vier bis fünf Teigmischungen für den „Mülleimer“ produziert. Allgemein probiere ich viele Dinge aus und viele Rezepte werden verändert.  Seitdem ich Kokosblütenzucker kenne, wird alles damit gemacht. Der ist  gesund, enthält Vitamine und ist gut für Menschen mit Diabetis.

Haben Sie ein Lieblingsrezept?

Kayar – das ist Kokosnuss Konfitüre. Das Rezept steht auch im Buch. Die ist so lecker, die würde ich gerne selber herstellen. Da kann Nutella neidisch werden.  Bei der Herstellung wird Kokosnussblütenzucker eingekocht, zusammen mit Kokosnussmilch. Dazu gibt es frisches Zitroneneis – das ist der Hammer.

Haben Sie vorher gern gekocht? Kochen Sie jetzt gern?

Ja, habe ich. Mein Hunger ist der beste Koch. Ich habe früher den Kühlschrank aufgemacht und immer verrückte Kreationen gekocht. Der Geschmack ist dabei der beste Lehrmeister. Ich habe die Sachen immer so zubereitet, wie ich es mochte. Zum Beispiel liebe ich Marzipankartoffeln und Kuchen. Das war früher mein Verhängnis. Heute nehme ich dafür frische Mandeln, Kokosnussblütenzucker und Zimt – und alles ist gut. Die Rezepte stehen alle im Buch. In München gibt es sogar eine Konditorei, das Café Münchner Freiheit, welches meine Süßigkeiten und SOS-Pralinen im Angebot hat. Die Konditormeisterin hat mich gefragt, ob sie das machen dürfe. Und ich hatte natürlich nichts dagegen, im Gegenteil, ich habe mich riesig gefreut.

Was wird es als nächstes geben? Neue Rezepte?

Ende des Jahres gibt es ein neues SOS „Schön ohne Schummeln“. Wie der Titel verrät, geht es um Naturkosmetik mit Tipps von Doktor K.S. Im Buch geht es um Lebensmittel für die innere Schönheit.  Ich recherchiere gerade dafür und begebe mich auf eine Tour in den Dschungel mit einem Kräutermann, um mir von ihm Pflanzen mit bestimmten Inhaltsstoffen zeigen zu lassen. Es war nicht ganz einfach einen Kräutermann zu finden. Aber ich halte es wie meine Mutter. Diese sagte immer: „Wie du gegangen, so wirst du auch empfangen“. Man darf nie etwas Besseres sein als sein Gegenüber. Und da ich schon so lange in Südostasien lebe, vertraut mir der Mann und zeigt mir die Pflanzen.

Was macht man als Bordlektorin & Asien-Expertin auf den Kreuzfahrtschiffen der AIDA-Cruises? Ist das eine Art Traumjob?

Ja, das ist es. Ich erzähle den Gästen über die Kulturen der Länder, die von dem Kreuzfahrtschiff angefahren werden. Zum Beispiel darf man in Asien nie mit einem Zeigefinger auf Menschen zeigen. Der Zeigefinger ist der böse Finger,  aber mit Daumen ist es erlaubt. Im mittleren Osten ist es umgekehrt. Ich kläre auf über den Islam und erzähle Dinge aus meinem Leben, lese aus meinen Büchern oder gebe Workshops, in denen ich mein Wissen weitergebe. Das Leben ist bunt wie meine Bücher. Diese Arbeit macht mir immer großen Spaß und ich bekomme viel Feedbeack von den Mitfahrern.

Frau Bachmann, vielen Dank für das Gespräch.