Über die Mode schreiben

Yasmin Dlikan (Foto: Stefan Grossek)

Möchte man in Halles Innenstadt shoppen gehen, trifft man schnell auf die großen Ketten wie H&M, C&A oder New Yorker. In Massenware findet man hier sicher das eine oder andere Outfit, welche das Shoppingherz erfreut. Doch was, wenn es etwas Besonderes sein soll? Kein Stück von der Stange? Irgendwie persönlicher? Dann sich besser der lokalen, etwas privateren Boutiquen bedienen, die handgeschneiderte Kleidung mit dem gewissen Etwas anbieten. Wir sprachen mit der halleschen Mode- und Lifestylebloggerin Yasmin Dlikan über ihre Inspirationen, Ausbrüche aus der Komfortzone und stöberten auf den Internetseiten lokaler Geschäfte.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Blog zu machen?

Mit der Entscheidung, einen eigenen Blog zu führen, ließ ich mir reichlich Zeit. Seit 2009 verfolgte ich internationale Blogs, die damals noch wie eine Art Tagebuch geführt wurden. Junge Frauen teilten dort ihre Gedanken, Alltagssorgen, modische Inspirationen oder allerlei andere Einfälle. Als kreativer Ausgleich zu meinem Lehramtsstudium entschied ich mich dann im Sommer 2012 selbst, einen Blog zu starten. Einfach so. Ich sprang ins kalte Wasser, hätte nie gedacht, dass sich Menschen tatsächlich für meine Beiträge interessieren könnten, schrieb über all die Dinge in meinem Leben, die mich begeistern konnten, und wollte eben diese Begeisterung weitergeben.

Welche Themen beschäftigen Dich, und worüber schreibst du am liebsten?

Ähnlich wie wir uns als Persönlichkeiten verändern und immer wieder neue Facetten an uns entdecken, änderten sich auch die Themenbereiche auf meinem Blog. Anfangs lag der Fokus doch stark auf den modischen Experimenten, die damals noch sehr farbenfroh, jugendlich und schrill waren – zumindest für eine Stadt wie Halle. Ebenso wie ich auch ist der Blog erwachsener geworden, und somit änderten sich auch die Themenbereiche, beispielsweise indem ich seit meiner Schwangerschaft und Geburt meiner Tochter auch Mama-Postings integriere. Mein Motto war jedoch von Anfang an, all die schönen Dinge im Leben einer jungen Frau zu teilen: sei es aus den Bereichen Mode, Interieur, Rezeptideen, Beauty, Elternschaft oder auch Reisen. Ich thematisiere in meinem Blog einfach genau das, was in meinem Leben gerade eine Rolle spielt, worüber ich berichten kann, was ich teilenswert finde, was mich begeistert.

Wie kommst du auf die Ideen für Outfitkombinationen für den Blog? Woher kriegst du deine Inspiration?

Inspiration findet sich überall – man muss nur die Augen offen halten und seine Umwelt genau wahrnehmen. So kann es passieren, dass ich ein Outfit einer Passantin so ansprechend finde, dass ich es zu Hause mit meinen Mitteln für mich uminterpretiere. Dann gibt es natürlich auch Social Media und Apps wie Instagram, wo man unzählige andere junge Frauen und deren modische Experimente entdecken kann. Diese Lust auf Mode steckt an, ich stöbere dann gern in meinem Kleiderschrank und probiere Neues. Die größte Inspiration ist aber wohl meine Tagesstimmung. Passend dazu greife ich zu Stücken, die in der Lage sind, meine Gefühlslage auszudrücken.

Welches Outfit ist für dich wert, gezeigt zu werden?

Auch hier erkenne ich einen Wandel, der sich mit den Jahren ergeben hat. In den Anfängen meiner Bloggerkarriere hielt ich viele vermeintlich langweilige Alltagsoutfits für nicht zeigenswert. Man konnte dann doch immer eher extravagante Looks auf dem Blog entdecken, in denen ich mir rückblickend zuweilen verkleidet vorkam. Mit der Zeit erkannte ich aber, dass es eigentlich genau die Alltagsmode ist, welche die Leser interessiert. Es geht dabei darum, diese alltägliche Mode so zu tragen, dass meine Persönlichkeit erkennbar ist, die Looks im ganz normalen Alltag tragbar sind, aber dennoch nicht langweilig. Wenn ich ausgefallene Kleidung sehen will, kann ich ebenso gut ein Hochglanzmagazin aufschlagen. Mir geht es eher darum, zu zeigen, was die junge Frau von nebenan im Alltag tragen kann, dabei Spaß an der Mode hat, sich dafür aber nicht in den Ruin stürzen oder sich verkleidet fühlen muss.



Steht erst das Outfit und dann die Idee das zu fotografieren oder hast du ein Teil, das du fotografieren möchtest, und stellst ein Outfit zusammen?

Die Frage suggeriert einen ziemlich konstruktiven Charakter hinter einem Outfitshooting. So gestellt geht es bei mir aber nicht zu. Ich weiß, dass auf den großen Fashionblogs, die sich wirklich hauptsächlich mit neuen Trends beschäftigen, diese Konstruktion an der Tagesordnung steht und viele Looks ausschließlich für Shootings getragen werden, die Bloggerin so wohl aber nie auf die Straße gehen würde. Das ist bei mir nicht so. Ich fotografiere Outfits, in denen ich mich wohlfühle, die für mich etwas Besonderes sind, die ich aber auch im echten Leben trage. Das sind oftmals genau die Kombinationen, die ich innerhalb kürzester Zeit in identischer oder leicht abgewandelter Form immer wieder wähle. Oder aber ich habe ein neues Lieblingsteil geshoppt, zu dem mir prompt zig Kombinationen einfallen, die ich dann gerne teilen möchte.

Zeigst du auf dem Blog auch Kleidung für verschiedene Anlässe – wie sehen die Kombis für z. B . Geburtstage, Weihnachten etc. aus?

Ja, klar! Saisonale oder auf einen Anlass bezogene Stylingtipps sind ja immer wieder gefragt. Thematisch kann das so von speziellen Festivitäten wie Weihnachten inspiriert sein oder aber auch an ausgewählten Stücken à la „Wie kombiniere ich eine weiße Bluse dreimal unterschiedlich?“ Sind meine Alltagsoutfits eher casual, darf es dann an Geburtstagen oder den Weihnachtsfeiertagen gerne etwas mehr sein, denn wann hat man sonst den Anlass, sich so richtig herauszuputzen?! Ich greife gern zu klassischeren Stücken wie einer Kombi aus einer weißen Bluse und einem auffälligeren Rock, oder auch ein ausgefalleneres Kleid mit tiefem Rückenausschnitt, Glitzerelementen oder Spitze ist dann gern gesehen. Generell würde ich bei solchen Anlässen immer auf gute Qualität und den Einsatz von Basics wie eben besagter Bluse, einem schwarzen Etuikleid oder schlichten Pumps, die man mit Hinguckerstücken aufwertet, achten.

Brichst du auch gerne mal aus deiner Komfortzone aus? Wie sieht sowas dann aus, und zeigst du das auf dem Blog?

Ach ja, die gute Komfortzone – ziemlich gemütlich, oder? Wie auch in allen anderen Lebensbereichen kann es ab und an ziemlich erfrischend sein, über den Tellerrand hinaus zu blicken. Man bekommt so neue Perspektiven, wählt vielleicht einmal unerwartete Wege und entdeckt sich dabei völlig neu. Das ist ja auch das Spannende an der Mode. Man kann sich jeden Tag neu erfinden. Deswegen ist mir auch die Stimmung so wichtig, wenn es darum geht, ein Outfit am Morgen aus dem Kleiderschrank zu ziehen. Meist greife ich automatisch zum gleichen Schema, das eben meinen Stil ausmacht – Pudertöne beispielsweise. Wenn ich aus meiner Komfortzone austrete, sind also meist dunkle Nuancen vertreten. Ich trage so gut wie nie Schwarz, möchte ich aber mal etwas anderes wagen, spiele ich genau mit diesem Aspekt. Meinen Stil würde ich als eher feminin, verspielt beschreiben. Mit diesen Elementen breche ich dann bewusst und kombiniere eine unerwartete Komponente. Derbe Bikerboots zum verspielten Rüschenkleid, um mal ein Beispiel zu nennen. Solche modischen Experimente teile ich natürlich auch gern auf dem Blog, weil es Abwechslung bedeutet, eine andere Facette, die spannend, unerwartet und erfrischend wirken kann. Außerdem folgen mir meine Leser ja auch, weil sie einen ähnlichen Stil haben. In der Hinsicht immer mal wieder neuen Input zu erhalten, ist also auch für sie spannend.

Welchen Stellenwert haben Make-up und Frisur in einem Look? Wohin gehst du in Halle?

Ich glaube, Make-up und Haare werden sehr häufig unterschätzt, wenn es darum geht, einen Look auszumachen. Dabei können schon minimale Änderungen ein komplett neues Erscheinungsbild ergeben. Trage ich beispielsweise eher langweilige Basics wie Blue Jeans, eine weiße Baumwollbluse und Blazer, kann der Look etwas Besonderes bekommen, wenn man rote Lippen dazu wählt oder ein wenig mehr Zeit in die Frisur investiert. Auch hier geht es mir um Stimmungen. Habe ich Lust auf Signalfarben, fühle mich mutig und selbstbewusst, transportiere ich das mit einem leuchtenden Lippenrot. Will ich eher nicht auffallen, wird es eben mein Alltagslippenstift. Ähnliches gilt auch für die Haare. Im Babyjahr trug ich jetzt beispielsweise meine Haare lange Zeit länger, und dabei hingen sie häufig langweilig herab. Zopf oder Dutt waren einfach praktisch, aber eben auch öde. Deswegen mussten neulich wieder ein neuer Schnitt und Farbe her, was ich übrigens seit Jahren beim Friseur Koegel am Hallmarkt machen lasse, da dort einfach Profis am Werk sind, die sich mit aktuellen Trends und Techniken auskennen, um ein natürliches Ergebnis zu erzielen. Seitdem nehme ich mir morgens wieder fünf Minuten Zeit und style meinen Longbob. Das ist meine Art, etwas nur für mich zu tun und mich neben meiner neuen Mamarolle auch als Frau nicht zu vergessen.



Ich schreibe über das, was mich begeistert. (Foto: Stefan Grossek)

Welche Kooperationen schätzt du modetechnisch auf deinem Blog?

In den letzten Jahren konnte ich dank des Blogs schon mit diversen Modelabels zusammenarbeiten. Der Schuhkonzern Tamaris spielt beispielsweise dabei aber eine Schlüsselrolle. In den letzten drei Jahren habe ich viele gemeinsame Projekte mit dem Team durchgeführt, mich mit der Produktion vertraut gemacht, ja sogar meinen eigenen Schuh designt und die Menschen dahinter kennengelernt. Hier zeigte sich wieder einmal mehr, dass die Lust auf Mode eben mehr ist als reine Oberflächlichkeit. Sie kann auch Menschen verbinden.

In welchen Läden in Halle stöberst du hin und wieder?

Ich muss ja gestehen, dass ich ein totaler Onlineshopper bin. Ich bevorzuge einfach, dass ich die Sachen bequem nach Hause geliefert bekomme und dort vor Ort ganz in Ruhe in meinem Kleiderschrank schauen kann, ob das ausgewählte Stück zu mir und meiner Garderobe passt. Was mich jedoch in Läden lockt? Wenn das Schaufenster beispielsweise ästhetisch wirkt. Es muss irgendeinen Eyecatcher geben, etwas, das mich zum Anhalten anregt. Sei dies ein witziger Spruch, eine besonders schöne Outfitkombination oder ein innovatives Konzept. Viele Läden nimmt man ja häufig in der Masse der Angebote gar nicht wahr.

Du sagst, du shoppst lieber online – dann schauen wir doch mal auf die eine oder andere Internetseite hallescher Läden und was sie so zu bieten haben. Wie wäre es mit dem LOLALÜ und ihrer Mode für Kleine?!

Gleich auf der Startseite laufen Bilder des Ladens durch. Das sieht schön bunt aus, auf jeden Fall nach selbstgemachten Stücken. Die Kinderstoffe mit zahlreichen Motiven gefallen mir ganz gut und dass man anscheinend schon fertige Mode bekommt, aber auch die Stoffe selbst bekommen kann. In der Galerie wechseln hochwertige Fotografien der Produkte: Täschchen, Knöpfe, Kuscheltiere und Accessoires. Ich kann mir vorstellen, dass das ein schöner Laden zum Stöbern ist, wenn man was für die Geburtstage der Kleinen sucht.
Anderes Gebiet, aber auch selbstgemacht – wir schauen auf die Internetseite der Frauenzimmer.


Die Seite sieht sehr erwachsen und klar aus. Spricht für mich für die Qualität der Kleidung. Auch in den Laden kann man hier hineinschauen, der ebenso aufgeräumt wirkt. Spannend ist, dass man sich hier die Köpfe hinter der Arbeit anschauen kann und jede der vier Designerinnen sich kurz vorstellt, das macht das Ganze sehr persönlich. Über die Mode und den Schmuck, der wohl angeboten wird, erfährt man zwar recht wenig, aber ich denke, man könnte hier das eine oder andere Stück für einen besonderen Anlass finden.

Kommen wir noch zu einer dritten Internetseite, denn wir wissen, dass du auch selbst Kleidung nähst: zum Patch & Work.

Ja genau, ich nähe ab und zu Kinderklamotten oder auch für mich das eine oder andere Accessoire. Im Patch & Work tobe ich mich dafür regelmäßig aus. Ich will eigentlich nur etwas Material kaufen und verlasse aufgrund der enormen Auswahl doch wieder mit mehr als geplant den Laden. Auch auf den Bildern auf der Internetseite sieht man, dass der Laden sehr groß und geräumig ist. Die vielen Stoffe in den hohen Regalen … Da findet sicher jeder einen Druck, der ihm gefällt. Anscheinend werden hier auch Kurse angeboten: Hoodys, Rucksäcke und auch ein Mutter-Kind-Kurs. Es gibt auch Kurse für Kinder, das ist ja toll.

Das war ein kleiner Einblick in die hallesche Modewelt und die von Yasmin von Weareinlovewith. Herzlichen Dank!