Hallesche Sole für hallesches Salz

Echtes Salz aus Halle. Der Rohstoff sorgte in der Vergangenheit für den Reichtum der Stadt. (Foto: Martin Große)

Ein Bodenschatz, so reichhaltig gewonnen, dass er den Namen einer Stadt prägt. In der deutschen Geschichte ist dies keine Seltenheit, und genau so verhält es sich mit Halle. Die Silbe „hal(l)“ findet man in vielen Städtenamen, die mit der Salzgewinnung verbunden sind. Das Wort, dessen Ursprünge unter anderem im Altgermanischen zu finden sind, bezeichnet den Ort, an dem das Salz verarbeitet wurde, das „Halhus“, so auch die Übersetzung des lateinischen „Salina“. In diesem Halhus wurde das „Halasalz“ gewonnen. Halasalz ist die Sortenbezeichnung für Salz, welches aus Sole gewonnen wurde. Bekannt ist auch, dass in Sachsen-Anhalt schon in der Bronzezeit Salz gewonnen wurde. Und schließlich erwähnt die „Chronik von Moissac“, eine mittelalterliche Handschrift in lateinischer Sprache, in der nach Jahren geordnet Ereignisse aus dem Fränkischen Reich niedergeschrieben sind, die Stadt Halle als Halla. Das war 806 und ist nachzulesen in der Französischen Nationalbibliothek.

Der salzhaltige Untergrund, auf dem Halle gebaut ist, ist der Grund für die Existenz der Siedlung. Im Mittelalter brachte das Salz Wohlstand und Reichtum in die Stadt. Vier Brunnen rund um den heutigen Hallmarkt lieferten die begehrte Sole. Bereits im Jahr 1491, ein Jahr, bevor Kolumbus Amerika entdeckte, hatten sich die Sieder, auch Pfänner genannt, zu der Bruderschaft der Halloren zusammengeschlossen. Erst um das Jahr 1790 wurden die Siedehütten auf dem Hallmarkt abgetragen und durch zwei Siedehäuser der Pfännerschaft ersetzt.

Auf dem Gelände des heutigen Technischen Halloren- und Salinemuseums wurde zwischen 1719 und 1721 die Königlich-Preußische Saline errichtet, von der heute noch einige Gebäude vorhanden sind. Die um 1930 errichteten Erweiterungsbauten sind ebenfalls erhalten. Dort wurde bis 1964 das Salz gewonnen und 1967 das Museum eröffnet.

Woher kommt das Salz?

Dass man das Salz in Halle finden konnte, liegt daran, dass direkt unter den Füßen der Hallenser eine gefächerte Bruchkante zwischen zwei Erdschollen liegt. An solchen Stellen kommt es zu Reibereien, seismischen Aktivitäten, und eine Scholle verbiegt die andere. Somit kommt die salzführende Zechsteinschicht, welche vor mehr als 251 Millionen Jahren aus dem Urmeer entstand, fast an die Oberfläche. Ungefähr 40 Meter unter dem Hallmarkt findet man das Salz. Durch das Grundwasser gelöst, stieg es einst als hochprozentige Sole zur Erdoberfläche empor.



Warum die Sole wieder gefördert wird

Probebohrungen ergaben, dass der Soleabbau möglich wäre. Hier fließt sie wieder. (Foto: Martin Große)

Woher kommt die Sole? Genau diese Frage bekommen die Mitarbeiter des Salinemuseums bei ihren Führungen regelmäßig gestellt und leider müssen sie noch zugeben, dass in Halle keine Sole mehr gefördert wird. Denn 1964 wurde die Soleförderung in der Saalestadt eingestellt und an selber Stelle das Museum eröffnet. Dabei kennen viele Hallenser noch den letzten Brunnen und seinen Förderturm am Holzplatz. Er war das letzte bauliche Wahrzeichen, das auf die Förderung einheimischer Sole hinwies.

Doch genau diese Frage, vor allem der kleinen Besucher des Museums, veranlasste schließlich den Halloren Tobias Heinicke und Michael Lux, Vorsitzender des Fördervereins pro Halle e. V ., und einige Mitstreiter, aktiv zu werden. Gemeinsam gründeten sie den Verein „Neue Hallesche Pfännerschaft“ und setzten sich ein Ziel: Pünktlich zum 300. Jahrestag der Gründung der Königlich-Preußischen Saline, die über viele Jahrhunderte die Salzgewinnung in Halle innehatte, soll in Halle wieder Sole fließen. Ein wichtiger Meilenstein gelang ihnen im Februar 2018. Im Fokus der Überlegungen des Vereins stand der alte Brunnen am Holzplatz. Denn einige glückliche Umstände kamen hier zusammen: 1. Der Brunnen ist noch vorhanden, im Gegensatz zu den beiden Brunnen am Hallmarkt. 2. Er wurde nie verschlossen, wie der Brunnen in der Oleariusstraße. 3. Er liegt in direkter Nähe zur Saline. Schließlich ergaben Probeuntersuchungen im Auftrag der Stadtwerke im Jahre 2012, dass es sich lohnt, den Brunnen zu reaktivieren.



Noch ist es ein langer Weg

OB Wiegand und der Hallore Tobias Heinicke kosten schonmal einen Schluck von der neuen Sole. (Foto: Martin Große)

Doch bis die Sole wieder fließt, ist es ein langer Weg. Genehmigungen müssen eingeholt, der Brunnen untersucht, die Sole getestet und Gutachten erstellt werden. Im Februar 2018 wurde ein weiteres Mal in den Brunnen geschaut und probeweise Sole gepumpt. Obwohl der Brunnen gut 500 Meter tief ist, steht die Sole auf Grund der hydrogeologischen Verhältnisse am Holzplatz in einer Tiefe von 50 Metern. Für Tobias Heinicke, der an diesem Tag mit strahlenden Augen allen Interessierten erklärte, was hier vor Ort geschieht, geht ein Traum in Erfüllung. „Hallesche Sole für hallesches Salz, das könnte nach über 50 Jahren wieder Realität werden“, so Heinicke im Interview.

Gefördert werden könnten bis zu 1000 Kubikmeter Sole pro Jahr. Damit könnte man das Salinemuseum und einige andere Abnehmer versorgen. Zum Beispiel ließe sich die Sole beim Winterdienst auf der Straße verwenden. Wie die Probebohrung ergab, wäre die hallesche Sole fast schon zu schade, um sie einfach auf die Straße zu sprühen. Sie ist von bester Qualität. Ihr Salzgehalt liegt bei 23 Prozent. Zum Vergleich – in der Ostsee liegt er zwischen 0,3 und 1,8 Prozent. Die Nordsee hat einen Salzgehalt von 3,5 %, das Mittelmeer von 3,8 %, und das Wasser des Toten Meeres besteht zu 28 % aus Salz.

Doch bis es so weit ist, wird noch viel Wasser die Saale hinunterfließen und muss noch einiges getan werden. Die neuen halleschen Pfänner benötigen ungefähr 130.000 Euro, um den Brunnen wieder komplett zu reaktivieren, die Fördertechnik und Lagerkapazitäten zu installieren – außerdem muss die Sole auch irgendwie hinüber in das Salinemuseum. „Das werden wir zu Beginn sicher mit Tanklastern bewältigen.“ erklärt Heinicke, obwohl eine Pipeline seine favorisierte Variante ist. Im Idealfall soll die Anlage aber auch noch touristisch etwas hergeben. Der Saaleradweg läuft hier vorbei, das neue Planetarium wird einen Steinwurf weit entfernt gebaut, und die Saline ist zehn Gehminuten entfernt. Da würde sich ein Förderturm, ähnlich dem, der 1992 erst abgerissen wurde, schick machen. Ebenso wie vielleicht ein Solebecken, aus dem man mal kosten könnte. Aber das sind alles noch Luftschlösser, an denen in den nächsten Jahren bis 2021 gebaut werden soll, damit man den fragenden Kindern im Salinemuseum wieder sagen kann: „Die Sole kommt aus Halle“.